ein spätes opfer

während meiner chemo mit paclitaxel hatte ich von zahnschmerzen berichtet. diese sind einige wochen nach der behandlung abgeklungen und nur noch sporadisch aufgetreten. beim letzten zahnarztbesuch im august 2015 war auch alles in ordnung.

vor 3 wochen habe eine entzündung am zahnfleisch genau über dem besagten zahn (dem 16) bekommen. nach meinem zahnarztbesuch war klar, der zahn ist tot. mit einem großen entzündungsherd an der wurzel. 

da ich schon vorher vieles über die evtl. wirkung von toten bzw. wurzelbehandelten zähnen gehört habe, war klar… so einen will ich nie haben. in der traditionellen chinesischen medizin (tcm) heißt es, dass tote zähne chronische krankheiten und sogar krebs begünstigen können. nachdem mein toter zahn nun auch noch auf dem brustmeridian sitzt, der über meine erkrankte brust läuft, war sonnenklar, der muss raus! 

mittwoch letzte woche war es soweit, termin 11:15 uhr. nachdem die spritze gewirkt hat ging alles sehr schnell und nach nicht mal 6 min. war er auch schon raus. alles lief gut, die kieferhöhle blieb zu und ich hatte keine schmerzen. leider hat es jedes mal wieder anfangen zu bluten, als ich den tupfer entfernte. nach einigen telefonaten mit dem kieferchirurgen sollte ich nochmals in die praxis kommen. die arzthelferin legte mir eine art gelatinewürfel in die wunde. das stoppte die blutung und als ich den tupfer rausnahm zu hause war alles gut.

der donnerstag verging unspektakulär. essen in babykonsistenz und bing-watching auf der couch. der freitag war auch gut mit babysitten und erster suppe mit löffel… ohne strohhalm. dann fing es an zu bluten. leicht… aber unangenehm vor sich hin die ganze nacht durch. der geschmack im mund war recht grenzwertig. und schlafen konnte ich kaum, da ich immer angst hatte es geht gleich richtig los. wach im bett liegend hatte ich mich bereits nach dem nächstliegenden notdienst am samstag erkundigt. denn da war mir schon klar… ohne geht nicht. der blutschwamm wurde immer größer und morgens konnte ich mein  kiefer nicht mehr schließen. 

der notdienst war okay… hat das gedöns weggesaugt, nochmal einen gelatinewürfel rein und tupfer. alles war gut als ich ihn zuhause raus hab. im laufe des tages kam dann der würfel wieder raus… und ich befürchtete schon, dass ich am sonntag schon wieder hin muss. über nacht fiel er ganz raus und alles es blieb gut. 

heute war mein kontrolltermin. der kieferchirurg ist zufrieden. ich hab auch zeit mich zu entscheiden, ob ich einen ersatz will oder ob ich es so lasse. nachdem man es nicht sieht… auch bei einem herzhaften lachen… lass ich es mal so.

wieso ich so ausführlich darüber schreibe? weil mich das wirklich stresste! ich dachte, da hab ich so viel durchgemacht, bin einiges gewohnt. aber je weiter meine therapie zurück liegt, desto schwieriger wird mein verhältnis zu arztterminen, praxen, nadeln usw. ich kann momentan keine praxis mehr von innen sehen! und die zahnentfernung war nunmal völlig unnötig. eigentlich. auch einen zahn zuverlieren ist bis jetzt immer eine horrorvorstellung für mich gewesen. 

nun ja. es ist wie es ist. ein spätes chemoopfer. der arzt bestätigte, dass der schaden höchstwahrscheinlich durch die chemo ausgelöst wurde. und ich befreunde mich jetzt mal weiter mit meiner neuen lücke. 

4 Gedanken zu „ein spätes opfer

  1. SaMaTe sagt:

    Bei mir waren es mehrere Zähne, die der Chemo zum Opfer fielen, der Trost ist, das Erneuerte sieht sogar besser aus. Aber ich habe arg gelitten. Das sind ja auch die Dinge, die einem keiner glaubt, Krebstherapie hinter sich, dann muss ja alles gut sein… nein, ist es nicht.

    Trotzdem, das Leben ist schon, auch mit ohne Lücke wünsche ich Dir alles Liebe!!

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